| Lernen
Sie laufen Change – Wandel ist Programm. Unternehmen,
Organisationen, Arbeitswelt und Freizeitverhalten sind in
steter Veränderung. Eines ist klar: die Zukunft ist
unklar. Somit wird der Wandel zu unserem konstanten Begleiter.
Wie also können wir in diesen hektischen Zeiten bestehen
und welche Kompetenzen sind gefragt? Oder anders: Was unterscheidet
den Erfolgreicheren vom Erfolgreichen?
Wetter kann man nicht ändern,
aber man kann sich richtig anziehen! Jahrzehntelang
war unsere Tätigkeit von Sicherheit und Beständigkeit
geprägt. Das berufliche und gesellschaftliche Leben
verlief in festgelegten Karrierebahnen und klar strukturierten
Organisationsformen. Konnte früher das Unternehmen
anhand seiner Produktionsstandorte und seiner Absatzorganisation
klar identifiziert werden, so fällt die Orientierung
heute schwer. Im Zeitalter der Allianzen und der virtuellen
Unternehmen verwischen sich die Grenzen zunehmend. Mit der
Globalisierung, Dezentralisierung und Individualisierung
verschwinden die klassischen Hierarchien. Flachere Strukturen
und wesentlich mehr Eigenverantwortung kennzeichnen heute
die Arbeitswelt. Die Karriere orientiert sich nicht mehr
primär an der Organisation und an der Hierarchie, sondern
an den Aufgaben und den Projekten. Ein Mehr an Selbständigkeit
führt auch zu einem Mehr an Selbstbewusstsein.
Dieser Prozess festigt somit auch den Glauben an uns selbst.
Und der wird wichtiger denn je. Er bietet die Sicherheit,
innere Stärke und Stabilität, die kein Arbeitgeber
mehr bieten kann. Er hat sie selbst nicht mehr. Diese Loyalität
sich selbst gegenüber ist die wichtigste "Lebensversicherung"
im allgemein empfundenen Chaos. Das Ego, das eigene "Ich"
ist in unserer Panikgesellschaft, in der sich nicht nur
die Produkte und Märkte, sondern auch die Partner und
Freunde verändern, meist der einzig beständige
Begleiter. Also hegen und pflegen wir es!
Soziale Beziehungen sind das halbe Leben
und schaden nur dem, der sie nicht hat!
In der heutigen Unternehmenswelt lässt sich eine starke
Verschiebung weg von den einfachen hin zu den komplexen
Problemen feststellen. So werden wir tagtäglich mit
verschiedenen Spannungsfeldern konfrontiert:
- Zunehmende Internationalisierung und Vernetzung der
Unternehmung bei gleichzeitiger Individualisierung der
Bedürfnisse des Einzelnen
- Steigende Dynamik im Unternehmensgeschehen bei gleichzeitig
abnehmender Reaktionszeit des Managements
- Wachsender Ruf der Mitarbeiter nach Leadership bei gleichzeitiger
Forderung nach vermehrten eigenen Handlungsspielräumen
- Weiteres Streben nach Wohlstand bei gleichzeitiger Wahrung
ökologischer Ziele und sozialer Verantwortung
- Verstärkte Innovationskraft bei gleichzeitiger
Beherrschung zunehmender Risiken
Komplexe Probleme können nur in Teamarbeit erfolgreich
bewältigt werden. Somit benötigen wir immer mehr
das Zusammenspiel von autonomen Individuen und Gruppen,
jenseits der klassischen Teams. Ganzheitliches Problemlösen
bedeutet, alle Wissensträger in den Problemlösungsprozess
aktiv miteinzubeziehen.
Aber nicht nur im Unternehmen sind Netzwerk-Profis gefragt.
Auch in der Arbeitswelt ganz generell gewinnen langfristig
diejenigen, die verlässliche Netzwerke im weiten Sinne
aufbauen, pflegen und schnelle Antworten bzw. Leistungen
von anderen Profis tatsächlich erhalten. Netzwerke
sind keine Maschinen und funktionieren deshalb nicht nach
dem Motto "kommandieren, kontrollieren, korrigieren".
Sie basieren auf gemeinsamen Interessen, Wünschen und
Zielen. Ein Geben und Nehmen im gegenseitigen Vertrauen.
Ist man kooperativ und hilft anderen, wird man wertvolle
Unterstützung erfahren, ganz im Sinne von: Gib und
dir wird gegeben.
Studien des Instituts für Politikwissenschaft an der
Universität Bern belegen zum Beispiel den Zusammenhang
zwischen sozialen Netzwerken und der Arbeitslosigkeit. Demnach
sind soziale Beziehungen wichtigster Kanal bei einer erfolgreichen
Stellensuche. Über 30% der Befragten geben an, ihre
Stelle dank sozialen Kontakten gefunden zu haben. Die weiteren
Informationskanäle sind Zeitungsanzeigen (29%), direkte
Bewerbungen bei den Unternehmen (19%) und Stellenvermittlungsfirmen
(8%). Der Beitrag öffentlicher Arbeitsämter (1,5%)
fällt dabei sehr mager aus.
Also kultivieren wir unsere Netzwerke, halten unsere Sponsoren
in Ehren und wählen unsere Göttis sorgsam aus.
Bekanntlich ist Vitamin B eines der wirksamsten Substanzen
in der Arbeitswelt.
Nicht die Grossen fressen die Kleinen,
sondern die Schnellen die Langsamen!
Die enorme Geschwindigkeit des technischen Fortschritts,
die Dynamik der Innovationen bringen mit sich, dass wir
in einer Zeit leben, in der das Handeln, und zwar das schnelle
Tun der Machenden, den Benchmark bildet. Unter diesem Aspekt
wird die gegenwärtige Welt permanent umgewälzt.
Gemachtes überholt Gedachtes. Just do it! Und zwar
sofort. Dabei wird das intelligente Handeln, die bedeutsame
Kompetenz immer wichtiger. Die Fähigkeiten, Probleme
schnell und gut zu lösen, dann wenn sie aktuell sind.
"just in time” und "on demand” heisst’s
so schön. Das wird der immer mehr belohnte "added
value” des Individuums. Der zahlt sich am Schluss
auch aus.
Profis sind nicht nur die so genannten Experten. Diejenigen,
deren Titel oder andere Auszeichnungen einen Schein der
Autorität schaffen. Direktor zu sein, bedeutet nicht
immer, einen notwendigen Wandel erfolgreich steuern oder
schnell entscheiden zu können. Diplomgestählte
Führungskräfte können nicht unbedingt eine
Verkaufsstrategie für Schnuller umsetzen, verkaufsgeschulte
Manager nicht zwingend die Umsätze verdoppeln, oder
hochdekorierte Ärzte nicht jede Krankheit heilen. Alle
sind zwar gut ausgebildet, können aber in gewissen
Situationen wenig bewirken. Die neuen Stars unserer Knowledge-Gesellschaft
sind die ganz praktischen, handfesten, konkreten Problemlöser.
Das ruft nach neuen Formen des Lernens, der Wissensgestaltung
und -nutzung, einem neuen Verständnis von Ausbildung.
Nur ist unsere innere Einstellung noch lange nicht so weit.
Was sich über Jahrhunderte gesellschaftlich eingespielt
hat, muss sich jetzt subito ändern. Die bisherigen
Formen des Lehrens, sei es an Schulen, Universitäten
oder bei unternehmensinternen Trainings schiessen immer
mehr am benötigten Wissen vorbei. Denn ob wir es wollen
oder nicht. Die neuen Technologien durchdringen immer mehr
alle Lebensbereiche und sind mehr als Instrumente und Werkzeuge.
Sie werden zur Umwelt, zur zweiten Natur. Darin müssen
wir laufen lernen können. Immer wieder neu, denn vieles
verändert sich schnell, oft plötzlich und teilweise
durchgreifend. Können wir aber lernen beim Laufen,
lernen wir laufend zu lernen, immer wieder neu. So sind
wir auf dem schnelleren Weg zum Erfolgreicheren.
Das Schwierigste am Erfolg ist, jemanden
zu finden,
der sich darüber freut!
Zum Schluss gönnen wir uns noch fünf Minuten
Selbstmitleid. Nur ausnahmsweise, weil wir uns nach getaner
Arbeit etwas leisten dürfen. Erstens kostet Selbstmitleid
nichts, zweitens gibt es genug Gründe dafür und
drittens können wir es sowieso nicht ändern. Also
fügen wir uns der Ohnmacht, der Fremdbestimmung. Andere
haben das Sagen, wir sind nur Spielball. Wer auffällt,
fällt auf die Nase. Wer aktiv wird, wird deaktiviert.
Wer handelt, macht Fehler, wird blossgestellt. Nur die Dummen
setzen sich diesem unkalkulierbaren Risiko aus. Die Sicherheit
garantiert den Erfolg und bringt einen weiter. Also nehmen
wir den Mittelweg, den alle beschreiten. Nur leider ist
dieser verstopft. Dies ist alles so traurig, dass wir uns
wohl ein bisschen bemitleiden dürfen. Jeden Tag fünf
Minuten und dies 365 mal im Jahr, macht 30 Stunden Mitleid
im Jahr. 30 Stunden Stillstand. Aber ist Stillstand nicht
gleich Rückschritt?
Die Zukunft gestalten heisst immer noch vorwärts zu
schreiten, aber nicht auf dem Mittelweg im unendlichen Stau.
Vielleicht drei Schritte vorwärts und zwei zurück,
aber immer noch vorwärts. Aber wir haben ja beim Laufen
lernen gelernt. Also planen wir Schritt für Schritt
und freuen uns über jede erreichte Etappe auf unserem
Weg zum Erfolg. Dazu gehört es auch Strategien und
Visionen zu entwickeln, die eigenen Stärken von den
Schwächen zu unterscheiden, um dort zu reussieren,
wo es kein anderer kann. Denn das Ausbauen einer Stärke
kann zur Exzellenz werden, das Pflegen einer Schwäche
bringt höchstens Durchschnitt. Zum Glück haben
wir unsere Augen ja im Kopf und nicht im Rücken. Also
Blick nach vorne, den ersten Schritt getan und bekanntlich
folgt der Erfolg auf den Fuss.
Wie also lernen wir Laufen, ohne in eine Sackgasse zu geraten?
Da ist guter Rat teuer und narrensichere Rezepte sind selten
(auch wenn man Betty Bossi heisst). Lassen Sie mich dennoch
einige Hinweise geben.
Tipp 1: Sagen Sie Nein!
Sagen Sie Nein zu kreativtötenden Konsensen und zu
zeitfressenden Unbedenklichkeitsstudien. Wählen Sie
unbekannte Pfade, handeln Sie unkonventionell und unbequem.
Sagen Sie Nein zu stundenlangem Parlieren an Alibi-Brainstormingsitzungen,
die nur dem Sieg des Hinterns über das Hirn dienen.
Nehmen Sie nur an Sitzungen teil, an denen Sie Ihre Exzellenz
einbringen können und an denen Sie wirklich gefragt
sind.
Sagen Sie Nein zu nervtötenden Negativdenkern und
alleswissenden Oberbedenkenträgern. Schicken Sie giftige
Mitmenschen aus Ihrem Energiefeld und lassen Sie sich auf
keine Gespräche über nicht anwesende Dritte ein.
Machen Sie stets die Betroffenen zu Involvierten.
Tipp 2: Erhalten Sie sich ihre persönliche
Autonomie!
Arbeiten Sie so lange im Untergrund wie Sie können.
Wenn Sie zu früh Ihre Ideen bekannt geben, aktivieren
Sie unnötigerweise das Immunsystem des Unternehmens.
Kommen Sie jeden Tag mit der Gewissheit zur Arbeit, entlassen
zu werden. Verschaffen Sie sich Klarheit über die wesentlichen
Motoren Ihrer Arbeit. Worin besteht der Sinn, der Nutzen
und persönliche Wert für Sie und Ihren Arbeitgeber.
Halten Sie sich für Ihr Handeln stets Optionen frei.
Dies eröffnet Ihnen den notwendigen Spielraum auch
in kritischen Situationen und führt automatisch zur
"best practice".
Tipp 3: Sehen Sie die Chancen, nicht die
Risiken!
Denken Sie positiv und machen Sie allenfalls aus der Not
eine Tugend. Optimistisches Denken und Kompetenzen vernetzen,
gepaart mit dem Bewusstsein, dass nichts mehr selbstverständlich
ist, ermöglicht Ihnen, mit allen Seiten des Lebens
umzugehen – dazu gehört auch das Scheitern. Scheitern
ist keine Schwäche, sondern macht Sie zum Stehaufmännchen.
Entwickeln Sie Leidenschaft für Ihre Aufgaben. Arbeiten
Sie, wo Ihr Herz am höchsten schlägt und die Herausforderungen
Sie am meisten begeistern. Aber denken Sie daran: Leidenschaft
erwirkt Leidensdruck. Denn wer sich beherzt in die Nesseln
setzt, der muss mit einem brennenden Hintern rechnen.
Lachen Sie und geniessen Sie den Erfolg. Sorgen Sie dafür,
dass Sie Spass an der Aufgabe haben. Vergessen Sie den Satz:
erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Feiern Sie die Teilerfolge,
das Erreichen der Etappenziele. Es geht ja darum, das Risiko
zu belohnen… na, jetzt haben Sie es erfasst: Sie können
laufen!
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